Vita
Mein persönliches Verständnis von Medizinischer Psychologie
Das Institut für Medizinische Psychologie am Zentrum für Psychosoziale Medizin der Heidelberger Universitätsklinik
Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit
   - Der Hamburger Strahlenskandal
Kunst, Musik und Heilkunst
Publikationsliste

 


 



Direktor der Abteilung Strahlentherapie Prof. Dr. Klaus-Henning Hübener
Der Hamburger Strahlenskandal


  • Vor jeglicher Öffentlichkeitsarbeit müssen die medizinpsychologischen Schlussfolgerungen erst einmal exemplarisch in realen Einsatzfeldern erprobt und so offen wie möglich diskutiert werden. Hierzu ein Beispiel: Während meiner Zeit als Professor für Medizinische Psychologie am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (1987 – 1991) habe ich mit der Hamburger Abteilung für Strahlentherapie zusammengearbeitet. In dieser Zeit wurde die Klinik durch den Hamburger Strahlenskandal jahrelang erschüttert. Dem Direktor der Abteilung Strahlentherapie wurde vorgeworfen, durch zu starke Bestrahlungen schwere Verbrennungen und sogar Todesfolgen in Kauf genommen zu haben. Inzwischen ist allgemein bekannt, dass dieser Skandal gezielt aus der Klinik heraus „angeheizt“ wurde, da sich die interne Gruppendynamik maligne entwickelt hatte.

  • Das fünfköpfige medizinpsychologische Forscherteam, welches unter meiner Leitung (gefördert vom Bundesministerium für Forschung und Technologie) fünf Jahre lang die Abläufe in dieser Klinik unter psychologischen und soziologischen Aspekten analysierte und zu verbessern versuchte, gewann in dieser Zeit wertvolle Erkenntnisse über Möglichkeiten und Risiken der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Publizistik im Spannungsfeld von seriöser Berichterstattung und Boulevard-Journalismus. Mit etwa 5o Publikationen (darunter vier Bücher) hat meine Arbeitsgruppe alle uns wichtigen Erkenntnisse dieses Projekts dokumentiert und Vermittlungsaufgaben wahrgenommen, wie sie schwieriger wohl kaum hätten sein können (Verres u. Klusmann 1996; Frost 2006).

  • Heute bin ich für diese Erfahrungen dankbar, so anstrengend sie auch waren. Denn ich habe daraus gelernt, wie Vertrauen zwischen Ärzten und der Öffentlichkeit zerstört werden kann und wie schwierig es ist, verlorenes Vertrauen wieder neu aufzubauen. Insbesondere habe ich aus dem Strahlenskandal gelernt, wie wichtig es ist, geduldig auch hinter den Kulissen der Medienwelt professionelle Vermittlungsarbeit zu leisten, die sich eher indirekt auswirkt und einem selber kaum persönliche Meriten einbringt.

  • Für mich habe ich die Schlussfolgerung gezogen, Psychologie und Publizistik als miteinander verwandte - wenn auch in Thematik und Methodik verschiedene - Disziplinen aufeinander bezogen zu betrachten. Berührungsprobleme von Wissenschaftlern gegenüber der Publizistik können fatale Folgen haben. Durch konsequente Beziehungspflege können tragfähige Orientierungshilfen zustande kommen. Für dieses Ziel setze ich mich seit vielen Jahren ein.




Buch Cover: Der Hamburger Strahlenskandal
Der Hamburger Strahlenskandal

Geschichte, Hintergründe und Auswirkungen unter Berücksichtigung der Perspektive von Klinikpersonal
Maike Frost

Der Hamburger Strahlenskandal erschütterte 1993 und in den Folgejahren nicht nur Norddeutschland: Der Vorwurf eines Behandlungsfehlers an der Strahlentherapieabteilung der Universitätsklinik führte auch überregional zu starker Medienresonanz und öffentlicher Besorgnis. Die Autorin dieser Studie hatte als Mitarbeiterin der Abteilung Gelegenheit, qualitative Interviews mit dem Klinikpersonal einschließlich des beschuldigten Chefarztes durchzuführen. Diese Interviews bieten einen interessanten Einblick in eine schwer zugängliche soziale Welt: Es kann gezeigt werden, wie Mitarbeiter einer unter Rechfertigungsdruck geratenen Abteilung die Behandlungsfehlervorwürfe und die Medienresonanz von „innen heraus“ bewerten.

Die Sichtweisen der Mitarbeiter verweisen auf gesellschaftliche Problembereiche, die nach Ansicht der Autorin die Entstehung des Strahlenskandals mitverursacht haben: So wird die Rolle der Medien untersucht und dargestellt, wie der Strahlenskandal auch als Medienereignis begriffen werden kann. Ohne Frage hat vor allem die Boulevardpresse eigene Interessen in der Aufbereitung des Strahlenskandals verfolgt, dies darf jedoch nicht über zentrale Probleme des gegenwärtigen Gesundheitsbetriebs hinwegtäuschen.

Die Autorin stellt in diesem Zusammenhang die Frage nach der Überschätzung der modernen Medizin und beschreibt die Relativität medizinischer Standards. Eine historische Betrachtung der Arzt-Patient-Beziehung zeigt die Bürden, unter denen sich in der Gegenwart beide Interaktionspartner begegnen. Strukturelle Aspekte wie die Hierarchie im Krankenhaus, die Rolle der Technik und die Schnittstellenprobleme zwischen dem ambulanten und stationären Sektor werden analysiert. Die theoretischen Betrachtungen sind interdisziplinär angelegt und bedienen sich – ganz im Sinne der Public Health Forschung – der aktuellen Versorgungsforschung aber auch medizinsoziologischen, medizinpsychologischen und historischen Ansätzen sowie der Qualitätsforschung.

Eine abschließende Analyse demonstriert, in welchen Problemfeldern sich seit dem Strahlenskandal Lösungsansätze zeigen und in welchen Bereichen noch gesundheitspolitischer und / oder gesellschaftlicher Handlungsbedarf besteht.

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Buch Cover: Strahlentherapie im Erleben der Patienten
Strahlentherapie im Erleben der Patienten

Rolf Verres u. Dietrich Klusmann

Eine Arbeitsgruppe aus Medizinpsychologen und einer Medizinsoziologin hat fünf Jahre lang versucht, ein möglichst umfassendes Bild der geistig-seelischen Seite der Strahlentherapie aus der Sicht der Patienten und der Behandler zu gewinnen und zugleich psychologische Hilfen zu entwickeln. Ausführlich wird untersucht, inwieweit Psychologie, Musiktherapie und High-Tech-Medizin miteinander vereinbar sein können. Eine Musiktherapeutin berichtet über ihre musiktherapeutische Arbeit mit schwerkranken und sterbenden Patienten.

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